Ferdinand Hardekopf

Ferdinand Hardekopf, geboren 1876 in Varel als Sohn eines Textilkaufmanns, besuchte in Oldenburg das Gymnasium und begann 1896 in Leipzig klassische Philologie, Germanistik und Philosophie zu studieren. Von einem Schullehrer, der Bismarcks Stenograph in Friedrichsruh gewesen war, hatte er schon früh die Gabelsberger Kurzschrift erlernt, mit der er in der Folge seinen Unterhalt bestritt: als Stenograph der Leipziger Stadtverordnetenversammlung, dann des sächsischen und preußischen Landtags, und schließlich ab 1904 als festangestellter Reichstagsstenograph.

Seit 1898 in Berlin lebend, hatte er das Studium zur Jahrhundertwende aufgegeben, um zu schreiben und seine freie Zeit in den Cafés der literarischen Bohème zu verbringen. Als Autor der «Schaubühne», des «Sturm» und der «Aktion» zählte er vor 1914 zu den bekanntesten Literaten Berlins. Als entschiedener Antimilitarist verweigerte er sich beim Ausbruch des 1. Weltkriegs dem patriotischen Taumel und ging 1915 in die Schweiz ins Exil. Anfang der 1920er Jahre kehrte er nochmals nach Berlin zurück, ließ sich 1924 aber in Frank reich nieder, wo er sich als Übersetzer von Gide, Cocteau, Giono u.a. einen Namen machte.

Den Krieg überlebte er trotz zwei maliger Lagerhaft und strandete 1946 erneut in der Schweiz, wo ihn Carl See lig, der Vormund Robert Walsers, über Wasser hielt.

Von den Kriegserlebnissen schwer traumatisiert, wurde er Anfang 1954 in die Zürcher Psychiatrische Klinik Burghölzli eingewiesen und starb am 26. März 1954.

 

«Der Hardekopf. Dieses Käuzchen wird nur bei Nacht sichtbar, doch schläft es auch nicht bei Tage, denn es schläft überhaupt nicht. Das Hardekopf ist immer nur etwas müde, nie schläfrig. Es verbreitet einen leicht phosphoreszierenden Schein. Vielleicht verwest es. Es ist den seltsamen Käuzchen zuzurechnen.» (Aus: Das große Bestiarium der modernen Literatur – Kapitel 2 von Franz Blei)

Ferdinand Hardekopf fotografiert von Emmy Hennings
Briefe aus Berlin
Rezensionen
Mein Anzeiger
Wolfgang Rewicki, 19. September 2016
Literaturkritik.de
Christina Randig, 20. April 2016
NWZonline
Hans Begerow, 8. April 2016
KULTURA-EXTRA
Steffen Kühn, 21. Februar 2016
Süddeutsche Zeitung
Lothar Müller, 15. Januar 2016