Julius Meier-Graefe

Julius Meier-Graefe (1867–1935), wuchs im Rheinland, in Westfalen und in Oberschlesien auf, belegte an den Universitäten München, Zürich und Lüttich technische Studienfächer, betrat aber erst in Berlin regelmäßiger einen Hörsaal, um dort Geschichte, Volkswirtschaft und Philosophie zu hören (letzteres bei Georg Simmel). Nach früher Freundschaft mit Edvard Munch zog es ihn Mitte der 1890er Jahre nach Paris, wo er zugleich als verantwortlicher Redakteur der opulenten Kunstzeitschriften «Pan» und «Art décoratif»
sowie als Inhaber des Einrichtungshauses «Maison Moderne» wirkte. Munchs erste Graphik-Mappe und die erste Monographie über Félix Vallotton entstanden – seinem Lieblingswort zufolge – eher «beiläufig». 1904 kehrte Meier-Graefe nach Deutschland zurück, ließ sich in Berlin nieder und entfaltete eine lebhafte Tätigkeit als Buchautor und Kunstpublizist. Daneben spielte er europaweite Verbindungen als «marchand amateur», Museumsberater und Salonlöwe aus. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs unversehens patriotisch ge - worden, bildete er als ahnungsloser Soldat eine leichte Beute russischer Truppen, wurde aber im Okto ber 1915 unerwartet freigelassen. Von 1917 bis 1921 in Dresden ansässig, rief er die Marées-Gesellschaft ins Leben, unter deren Dach er zahlreiche bibliophile Kunstpublikationen herausbrachte. Danach zog es ihn wieder nach Berlin, wo er regelmäßig für die «Frankfurter Zeitung» und das «Berliner Tageblatt» schrieb. Nachdem er 1927 auf die van Gogh-Fälschungen des Kunsthändlers Otto Wacker hereingefallen war und seinen Irrtum zu spät bemerkt hatte, zog Meier-Graefe 1929 in die Provence und ließ sich in Saint-Cyr-sur-Mer nieder. Damit bildete er 1933 eine Anlaufstelle für die zahlreichen deutschen Emigranten, die fluchtartig Deutschland verließen und im benachbarten Sanary-sur-Mer eine neue Bleibe fanden. Als die Nationalsozialisten 1937 in der Ausstellung «Entartete Kunst» Meier-Graefe an den Pranger stellten, zählte er schon zwei Jahre nicht mehr zu den Lebenden: Am 5. Juni 1935 war er – seit einem Jahr französischer Staatsbürger – im schweizerischen Vevey verstorben.

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